OriginalKopie. Praktiken des Sekundären

Konferenz des
Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs
"Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK 247) an der
Universität zu Köln

22. bis 24. Mai 2003
http://www.uni-koeln.de/inter-fak/fk-427/veran/kfr/kfr_10/kfr_10.html

Mit der Änderung des Urheberrechts sollen neben Problemen der Autorschaft
und der Zugangsberechtigung auch Praktiken des Kopierens und Zitierens
medienübergreifend und dem (digitalen) State of the Art entsprechend geregelt
werden. Einwände gegen eine solche Maßnahme gehen häufig von der
Feststellung aus, die Grenze zwischen Original und Kopie sei längst gefallen,
man befände sich ohnehin immer schon 'im Zitat'. Dem würde in der
gegenwärtigen Debatte über Performativität und Wiederholung, wie sie seit
den 1990er Jahren in den Kulturwissenschaften geführt wird, wohl kaum
widersprochen. Und doch ist gerade hier häufig zu beobachten, daß die
entsprechenden Ansätze mit Kategorien von Authentizität und Originalität
operieren - etwa der Annahme einer Integrität des Zeichens, die das Mäandern
durch die Kontexte und Medien unbeschadet übersteht, oder der Vorstellung
eines Körpers, dessen unwillkürliches Agieren zur Instanz für
Unwiederholbarkeit wird.

Die Konferenz setzt bei dem Vorschlag an, die Perspektive auf die kultur- und
medienspezifischen Normen und Konventionen von Aneignung und
Verfremdung zu lenken, wie sie in Zitierpraktiken am Werk sind: Wie wird das,
was jeweils als 'Identisches' gilt, bestimmt und definiert? Wie wird es
legitimiert und autorisiert? Gibt es kulturelle Praktiken, die nicht auf die
Unterscheidungen zwischen Primärem und Sekundärem, Original und Kopie,
Ereignis und Wiederholung setzen, die diese Oppositionen unterlaufen?
Inwiefern haben Wiederholungsstrukturen wie Rekurrenz, Serie oder
Rhythmus eine kohärenzstiftende Funktion - sei es für einzelne Texte oder für
ganze Kulturen? Nach welchen Kriterien werden die Kontexte konstruiert,
innerhalb derer ein Anspruch auf 'Originalität' oder 'Eigentum' überhaupt
geltend zu machen ist? Und welche Rolle spielen die lokalen Bedingungen von
Aneignungsprozessen, wenn Produkte und Produktionsverfahren global
zirkulieren?

Ausgehend von der medienhistorischen Zäsur digitaler Reproduzierbarkeit im
20. Jahrhundert will die Konferenz aus juristischer, ökonomischer,
ästhetischer und semiotischer Perspektive die Kultur- und Medienabhängigkeit
von "Praktiken des Sekundären" untersuchen. Gefragt sind ebenso
konzeptionelle wie materialbezogene Beiträge zu medialen Verfahren wie
Zitat, Wiederholung, Paraphrase, Imitation, Kopie, die auf den Status des
Vorgefundenen, des Nicht-Authentischen, des Abgeleiteten setzen - oder aber
derartige Zuschreibungen gezielt problematisieren. Denkbare Materialfelder
wären etwa Sampling, Remix und Coverversionen in der Pop-Musik, Bild-
Zitate, filmische Remakes, Gesten- und Gebärdenzitationen, elektronische
Textverarbeitung (Copy-and-Paste), multimediale Zitier- und Kopiertechniken
im Internet, narrative und dialogische Iterationsverfahren sowie nicht zuletzt die
wissenschaftliche Praxis - von der Frage nach dem Verhältnis von Zitat und
'Eigenleistung' bis zu jener des Selbstzitats.